Dezember 2025 – Im Austausch mit politisch Verantwortlichen

„Unser Verein gehört abgeschafft!“ – das ist das Motto von a+G und den Medinetzen Mainz und Koblenz. Denn: Der „höchste erreichbare Stand an körperlicher und geistiger Gesundheit“, d.h. der Zugang zu Gesundheitsversorgung, gehört zu den Menschenrechten, wie sie von der UN im Sozialpakt 1966 (Art. 12) formuliert und auch verabschiedet wurden. Wäre das Recht entsprechend umgesetzt, müsste es Vereine wie unseren gar nicht geben.

Doch dem ist leider nicht so: Der Staat kommt seiner Verantwortung an vielen Stellen nicht nach und es gibt große und kleinere Lücken in unserem Sozial- und Gesundheitssystem.

a+G leistet nicht nur praktische Arbeit, indem wir in unserem Arztmobil und unserer Ambulanz akute medizinische Versorgung anbieten, mit Kindern und Jugendlichen präventiv und gesundheitsfördernd arbeiten, Notunterkünfte zur Genesung von wohnungslosen Menschen bereitstellen und auf dem Weg ins Sozialsystem beraten –
wir setzen uns auch dafür ein, dass die strukturellen Bedingungen für Menschen in Notlagen und ohne ausreichenden Krankenversicherungsschutz besser werden.

Dafür treffen wir uns immer wieder mit politisch Verantwortlichen. In den letzten Wochen und Monaten trafen wir Politikerinnen der kommunalen, landes- und bundespolitischen Ebene :

Mit der Sozialdezernentin der Landeshauptstadt Mainz
Jana Schmöller sprachen wir über die Möglichkeiten und Schwierigkeiten für wohnungslose Menschen in Mainz, über bürokratische Hürden und über konkrete Fallbeispiele, die zeigen, wie politische Entscheidungen in der Praxis zu neuen Barrieren und existenziellen Schwierigkeiten führen.

Wir freuen uns darauf, weiter im Austausch zu bleiben und gemeinsam Lösungen zu finden!

Dörte Schall, die Ministerin für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung des Landes Rheinland-Pfalz

Im Austausch mit ihr ging es darum, dass die vom Land finanzierte Clearingstelle Krankenversicherung (CSKV) weiterhin stark nachgefragt ist – höhere Armut, mehr Schulden, komplizierte, strenge Bürgergeld-Regelungen und hochschwellige Bürokratie sind vermutlich die Gründe dafür. Ein Weiterbetrieb ist unerlässlich.

Wir erklärten, warum die eingeschlafene“ Arbeitsgruppe Armut und Gesundheit im Landtag wieder eingerichtet werden sollte, warum es einen landesweiten Schwangeren-Behandlungsfonds nach dem Vorbild der Stadt Mainz braucht und warum auch unsere Genesungszimmer nur ein Versuch sind, eine bestehende Versorgungslücke zu schließen.

Um die Arbeit zu erleichtern, möchte sich die Ministerin für einen direkteren Austausch zwischen den zuständigen Stellen einsetzen.

Dafür danken wir ihr vorab und hoffen auf weiterhin gute Zusammenarbeit!

Mit der Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages Dr. Tanja Machalet unterhielten wir uns darüber,

  • dass ein Härtefallfonds in medizinischen Notsituationen, in denen die Zuständigkeiten bzgl. Kostenträger nicht eindeutig sind, sinnvoll ist,
  • dass es dringenden Bedarf an besserer Sprachmittlung im medizinischen Bereich gibt, die am besten bundesweit geregelt ist
  • dass es bisher keine verlässlichen Zahlen zu Menschen ohne oder mit eingeschränktem Krankenversicherungsschutz gibt und dass es Bundesmittel für die Erhebung braucht

Daneben warnten wir die Politikerin ausdrücklich davor, schärferen Sanktionierungen für Sozialleistungsbeziehende zuzustimmen. Kürzungen der Sozialleistungen bis auf 0 Euro ziehen drastische Konsequenzen nach sich: Nicht nur wäre dies nicht menschrechtskonform, Menschen würden auch schneller wohnungslos und verlieren ihren Krankenversicherungsschutz. Für das Gesundheits- und Sozialsystem wäre dies eine Katastrophe.
Wir baten darum zu beachten, dass psychische Erkrankungen deutlich zunehmen und diese dazu führen können, dass Menschen ihre Termine nicht wahrnehmen können. Die Krankenversicherung muss in jedem Fall weiterlaufen.

Größtes Thema in unserem Gespräch allerdings waren die Schwachstellen in der aktuellen Notfallversorgung von nicht-versicherten Menschen und der geplanten Notfallreform.

Wir kamen zu dem Schluss, dazu eine Petition an den Bundestag einreichen zu wollen und werden darüber noch ausführlicher berichten.

Auch mit Frau Dr. Machalet bleiben wir in Kontakt und hoffen, auf Bundesebene Verbesserungen erwirken zu können!

Juli 2025 – Niedrigschwellige medizinische Versorgungsangebote für wohnungslose Menschen im Gesundheitssystem etablieren und finanzieren

Dies empfiehlt die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungshilfe.

„In den letzten Jahren ist der Ausbau niedrigschwelliger Primärversorgungsstrukturen zur Schaffung eines diskriminierungssensiblen Zugangs zu gesundheitlicher Versorgung für alle in Deutschland leben den Menschen zunehmend in den Fokus der Politik gerückt. Diese Entwicklung bietet Anlass, dafür zu sorgen, dass die bestehenden niedrigschwelligen medizinischen Versorgungsangebote in der Wohnungsnotfallhilfe und die vorliegenden Expertisen auf die politische Agenda gesetzt werden. Das Ziel der niedrigschwelligen Dienste ist sowohl die Sicherstellung einer medizinischen Grundversorgung als auch die Unterstützung und Begleitung betroffener Personen bei der Inanspruchnahme regulärer Gesundheitsversorgung. Eine große Herausforderung niedrigschwelliger medizinischer Angebote ist die unzureichende Finanzierung. Sie können häufig nur durch Spenden sowie den Einsatz ehrenamtlicher Fachkräfte aus Medizin und Pflege aufrechterhalten werden.“

Link zum vollständigen Text (PDF)

Das Papier wurde vom Fachausschuss Gesundheit der BAG W erarbeitet und vom Vorstand der BAG W am 03.04.2025 verabschiedet.

Mai 2025 – Situation von Inhaftierten ohne Krankenversicherungsschutz

Situation von Inhaftierten ohne Krankenversicherungsschutz vor und nach der Inhaftierung

von Maria Wirth, Samira Patz, Daniel Krauß und Robert Klunker
vom Bundesverband Anonymer Behandlungsschein und Clearingstellen für Menschen ohne Krankenversicherung (BACK)

In Deutschland gibt es seit 2007 bzw. 2009 eine Versicherungspflicht. Trotzdem sind zahlreiche Menschen nicht krankenversichert. Für Menschen, die in Haft sind oder inhaftiert werden, stellen sich häufig viele Fragen.

Mit freundlicher Genehmigung zur Veröffentlichung durch die Bundesarbeitsgemeinschaft Straffälligenhilfe.

17. und 18. März 2025 – Die Clearingstelle Krankenversicherung Rheinland-Pfalz und der Bundesverband BACK auf dem Kongress Armut und Gesundheit in Berlin

Zum dritten Mal in Folge präsentierte sich der BACK (Bundesverband Anonymer Behandlungsschein und Clearingstellen für Menschen ohne Krankenversicherung) auf dem jährlich stattfinden Kongress Armut und Gesundheit in Berlin mit einem Stand. Mitarbeiterinnen der Clearingstelle Krankenversicherung Rheinland-Pfalz bringen sich mit Ihrer Expertise regelmäßig im BACK ein. Dieses Jahr war die Clearingstelle vertreten durch Nele Wilk (Mainz) und Daniel Krauss (Koblenz).
In einer vom BACK organisierten Podiumsdiskussion ging es um „Parallelstrukturen im Gesundheitswesen“ und die Frage welche Chancen und Herausforderungen mit ihnen einhergehen.

BACK in Berlin - Kongress Armut und Gesundheit 2025
BACK in Berlin - Kongress Armut und Gesundheit 2025

März 2025 – Zugang zu Gesundheitsversorgung für alle

Bestehende Strukturen vereinheitlichen, vereinfachen und neue Lösungen schaffen

In einem neuen Forderungspapier benennen der BACK (Bundesverband Anonymer Behandlungsschein und Clearingstellen für Menschen ohne Krankenversicherung) und Ärzte der Welt e.V. Probleme und Hürden, die Menschen den Zugang zu Gesundheitsversorgung erschweren oder versperren. Der Zugang zu Gesundheitsversorgung in Deutschland wird in diversen Gesetzen und verschiedenen Rechtsgebieten geregelt. Das System der Absicherung für den Krankheitsfall ist komplex und unübersichtlich. BACK und Ärzte der Welt haben eine ganze Reihe von Probleme identifiziert und übersichtlich dargestellt und mit konkreten Lösungsvorschlägen versehen.

An der Erarbeitung des Forderungen waren Nele Wilk und Johannes Lauxen von der Clearingstelle Krankenversicherung Rheinland-Pfalz maßgeblich beteiligt.

Positionspapier des Bundesverbandes Anonymer Behandlungsschein und Clearingstellen für Menschen ohne Krankenversicherung (BACK) und des Netzwerks Ärzte der Welt e. V., Stand März 2025